LANDESARMUTSKONFERENZ-BW e.v.

Rückblick: „Was jetzt zählt“ – Landespolitik im Gespräch- Podiumsgespräch mit den Kanditat:innen zur Landtagwahl in Offenburg am 23.02.26

Rückblick: „Was jetzt zählt“ – Landespolitik im Gespräch

Podiumsgespräch mit den Kandidat:innen zur Landtagswahl in Offenburg am 23.02.26

Welche Themen bewegen unsere Region wirklich? Unter dem Titel „Was jetzt zählt“ luden die Konferenz für Urban Transformation Design (KfUTD), der Runde Tisch Ortenau und die Landesarmutskonferenz Baden-Württemberg zu einem intensiven politischen Austausch nach Offenburg ein.

Die folgende Zusammenfassung der Veranstaltung wurde am 24.02.2026 als offizielle Pressemitteilung veröffentlicht:


Wohnen, Würde, Demokratie

Podiumsdiskussion zur Landtagswahl stellt soziale Fragen ins Zentrum

Offenburg, 23.02.2026. Wie hängt Armut mit Demokratie zusammen? Wer entscheidet über bezahlbares Wohnen? Und warum ist Gesundheit keine private Angelegenheit? Mit diesen Fragen endete die Veranstaltungsreihe „Wem gehört die Stadt?“ der Konferenz für Urban Transformation Design in Kooperation mit dem Runden Tisch Offenburg/Ortenau der Landesarmutskonferenz Baden-Württemberg.

Moderiert wurde der Abend von Fridolin Koch (Dipl. Geograph, Institut für angewandte Sozialwissenschaften Stuttgart). Auf dem Podium diskutierten:

  • Maren Seifert (Landtagskandidatin der Grünen)

  • Richard Groß (Landtagskandidat der SPD)

  • Felix Ockenfuss (CDU)

  • René van der Winkel (Ersatzkandidat der Linken)

Armut und Demokratie

Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass soziale Fragen mehr sind als Sozialpolitik. Vertreter der Landesarmutskonferenz verwiesen auf steigende Armutszahlen und warnten vor gesellschaftlicher Spaltung. Wer dauerhaft von Teilhabe ausgeschlossen sei, verliere Vertrauen in demokratische Prozesse. Eine Auswertung von Wahlergebnissen in Offenburg zeige Zusammenhänge zwischen Armutsgefährdung, Einsamkeit und politischer Radikalisierung in einzelnen Stadtteilen.

In der Diskussion herrschte Einigkeit darüber, dass Armutsbekämpfung strukturell angegangen werden müsse. Unterschiede zeigten sich bei der Frage, wie stark staatliche Eingriffe sein sollten und welche Rolle Koalitionsverträge dabei spielen.

Wohnen als Schlüsselthema

Am intensivsten wurde über das Thema Wohnen diskutiert. Sozialarbeiterinnen und Praktiker schilderten die Situation wachsender Wohnungslosigkeit, steigender Mieten und sinkender Zahl gebundener Sozialwohnungen. In Offenburg lebten mittlerweile zahlreiche Menschen in kommunaler Unterbringung, bundesweit sei Wohnungslosigkeit auf Rekordniveau.

Alle Kandidierenden betonten die hohe Priorität des Themas. Diskutiert wurden landeseigene Wohnungsbaugesellschaften, stärkere Förderung des sozialen Wohnungsbaus, Maßnahmen gegen Leerstand und Spekulation sowie eine bessere Unterstützung der Kommunen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Wohnungsbau immer im Spannungsfeld zwischen Landespolitik und kommunaler Planungshoheit steht.

„Wohnen darf kein Spekulationsgut sein, sondern ist Grundlage von Menschenwürde.“ (Zentrales Zitat des Abends)

Gesundheit ist politisch

In einer weiteren Runde wurde Gesundheit als Querschnittsaufgabe beschrieben. Armut, prekäre Wohnverhältnisse, unsichere Beschäftigung und Bildungsungleichheit wirkten sich unmittelbar auf die körperliche und psychische Gesundheit aus. Vertreter aus der Praxis berichteten von Versorgungslücken bei Menschen ohne Krankenversicherung oder festen Wohnsitz.

Diskutiert wurden Prävention, bessere Beratungssysteme sowie die Frage, wie gesundheitliche Folgen politischer Entscheidungen systematisch berücksichtigt werden können. Mehrere Wortmeldungen aus dem Publikum machten deutlich, dass Prävention nicht nur menschlich geboten, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll sei.

Teilhabe für Minderheiten

Zum Abschluss ging es um demokratische Beteiligung und die Situation von Minderheiten, darunter Sinti und Roma. Thematisiert wurden strukturelle Diskriminierung bei Wohnungssuche und Behördenkontakten sowie die Notwendigkeit, Betroffene stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubinden. Die Landesarmutskonferenz warb dafür, die gewachsene Beteiligungskultur in Baden-Württemberg weiter auszubauen und zivilgesellschaftliche Initiativen verbindlich einzubinden.

Fazit des Abends

Der Abend zeigte: In der Problembeschreibung gibt es parteiübergreifend viele Schnittmengen. Die Unterschiede liegen vor allem in der Frage, wie verbindlich soziale Strategien verankert und finanziert werden sollen.

Für die Veranstalter bleibt die zentrale Erkenntnis: Wer über Zukunft spricht, muss über Armut, Wohnen, Gesundheit und demokratische Teilhabe sprechen. Ohne soziale Sicherheit gerät auch die demokratische Stabilität ins Wanken.

 

 

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