Mens sana in corpore sana! Das war eine Orientierung, die bereits im Altertum gegolten hat: Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Das bedeutet, dass menschlicher Verstand und menschliche Vernunft dann gelingen, wenn sie in einem gesunden Körper ihr zuhause haben. Doch was gesunder Geist genau ist und was gesunder Körper ist, das ist nicht so einfach zu sagen. Spätestens wenn man sieht, wenn Geist und Psyche belastet sind, gar als krank definiert werden oder wenn Menschen Behinderungen haben: Körperbehinderungen, Hören und Sehen verlieren, chronisch erkranken und nur unter hohem Einsatz von Medikamenten oder Dauerbehandlungen überleben.
Menschliche Gesundheit ist bedroht durch Kriege, Gewalt und Seuchen, Pandemien, ist bedroht durch Unbezahlbarkeit der medizinischen Behandlung. In vielen Ländern fehlt der Zugang zu gesundheitlichen Hilfen, da gibt es kein Geld für notwendige Operationen gegen Erblindung, da gibt es kein Geld für Laboranalysen um Blutbilder zu haben, um zu wissen, was medizinisch-therapeutisch zu tun wäre?
Am 5.2.2026 war in Kehl bei einer Veranstaltung zur Landtagswahl in Baden-Württemberg zu hören, wie das mit dem Zugang aller Menschen in das Gesundheitssystem in Deutschland aussieht. Auf den ersten Blick scheint nach dem Sozialgesetzbuch V (Gesundheit) alles klar zu sein: Jeder Bürger in Deutschland ist Mitglied in einer Gesundheitskasse. Mitglied durch Erwerbstätigkeit, oder freiwillig versichert, oder versichert als Familienangehöriger, oder versichert als Rentner, oder versichert über eine Mitgliedschaft, die von der Arbeitslosenversicherung garantiert wird.
Trotzdem, dass niemand nicht versichert sein sollte, sind es dennoch rund 80 Tausend Personen, die in Deutschland nicht krankenversichert sind.
Es sind Menschen, die als Selbständige nicht mehr ihren Beitrag bezahlen können, die als Asylbewerber nicht weiter in der Versicherung sind, es sind Personen, die aus dem Ausland zurückkehren und keiner Krankenkasse mehr angehören, es sind Leute, die fest auf der Strasse leben und keinen Versicherungsschutz abgesichert bekommen.
Im deutschen Gesundheitssystem ist der gut versichert, der über den Faktor Arbeitsplatz versichert ist, wer nicht über Erwerbstätigkeit versichert ist, der kann sich feiwillig versichern. Nur hat er dann die Beiträge monatlich selbst zu finanzieren. Das sind zum Beispiel Asylbewerber, deren Verfahren ausgelaufen (die aber weiter zu dulden sind), ist etwa 250.- Euro monatlich, die sie von einem gekürzten Sozialunterhalt von etwa 400.- Euro zahlen müssten. Das heisst, sie machen Schulden jeden Monat bei der Krankenversicherung.
Oder jemand kommt nach 5 Jahren aus dem Ausland zurück, dann macht die Krankenkasse gegen ihn Zahlungen aus diesen 5 Jahren Fehlzeiten geltend, also Tausende an Euro, wenn das der Fall ist, dann wird er zwar versichert, hat jedoch horrende Schulden und nur Anspruch auf Grundleistungen aus der Krankenversicherung. Also nur Notfallversorgung zur Abwendung der schlimmsten Folgen einer Situation.
Weiter übel ist, wenn jemand seine private Krankenversicherung nicht mehr bezahlen kann, auch für seine familienversicherten Angehörigen. Dann hat er keinen Anspruch auf Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenversicherung. Das bedeutet auch, dass er nicht automatisch in der Krankenversicherung der Rentner landen könnte. Da würde im Falle der Berentung mit derzeit 67 Jahren bedeuten, er müsste sich weiter privat versichern. Dazu hat er kein Geld, also bliebe er im Alter nicht versichert, auch nicht pflegeversichert.
In Kehl ging es, auch wegen der Grenznähe zu Strasbourg um die Prostitution. Diese befindet sich mehrheitlich in Händen osteuropäischer Prostituierter, die in Kehl wohnen und in Strasbourg ihrem Gewerbe nachgehen. Sie sind in der Regel nicht versichert in der deutschen Krankenversicherung. Sie gelten als selbständig erwerbstätig (d.h. sie werden als eigene Firma behandelt!) und könnten sich maximal freiwillig bei privaten Anbietern versichern. Das unterbleibt aber in der Regel. Sie leben in einer Grauzone, dies bei einer Tätigkeit, die alleine schon wegen des Bevölkerungsinteresses an geordneten Verhältnissen eines obligatorischen Krankenversicherungsschutzes bedürfte.
Aus meiner eigenen Erfahrung in 30-jähriger Tätigkeit in der sog. Randgruppenarbeit ist die Frage des Krankenversicherungsschutzes eine permanente Daueraufgabe. Ebenso wie sonstige existentielle Hilfen zentral sind, so auch die Frage nach dem Krankenversicherungsstatus.
Wenn jemand seine Arbeit verloren hat, dann hat er einen formalen gesetzlichen Schutz von weiteren 4 Wochen als Mitglied der Krankenversicherung. Kommt binnen dieser 4 Wochen keine Klärung zustande wie es weitergehen wird, dann fällt jemand aus der gesetzlichen Krankenversicherung heraus. Man kann sich gut vorstellen, wie viele Menschen dies immer wieder betreffen wird! Wenn jemand dann zum Beispiel auf die Strasse geht, ins Ausland verschwindet, behauptet er sei jetzt selbständig, oft auch nur schein-selbständig, dann ist die Krankenversicherung erledigt. Auch die Mitgliedschaft in der Pflegeversicherung entfällt.
Wie oben bereits beschrieben, kommt er von der Strasse zurück oder gar aus dem Ausland, dann gibt es auch keine neue Mitgliedschaft. Wenn jemand denn weiter erwerbslos ist, dann hat er evtl. Anspruch auf Erwerbslosenleistungen nach dem SGB II, dann wäre er wieder zu versichern, aber die gesetzliche Krankenkasse fordert von ihm dann für die Lücke von Jahren einen Ausfall. Also eine Verschuldensspirale, dass es kracht!
Was aus Kehl mitzunehmen ist: Für all die Fälle, die keine Krankenversicherung privat oder gesetzlich erreichen, das sind rund 100 Tsd in Deutschland, für die müsste es einen staatlichen Solidarfond geben, der ihnen ein Menschenrecht auf Gesundheit garantiert. Heruntergebrochen auf Baden Württemberg würde dies bedeuten für etwa 10 Tausend Personen mit etwa weiteren 10 Tausend Haushalts- und Familienangehörigen müsste ein solcher Fond installiert werden.
Gibt es so was in Deutschland? In der Stadt Köln gab es einen Fond für anonyme medizinische Behandlung. Anderswo in Ansätzen, so auch in der Pflasterstube Offenburg, wo gesundheitliche und ärztliche Leistungen zivilgesellschaftlich erbracht werden.
Also: mens sana in corpore sana! Ein Traumziel der Menschheit, ein Menschenrecht auf Gesundheit zu garantieren!


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